Historie des Vereins

1928 – 1935
Josef Hennemann
1935 – 1939
Heini Mahl
1947 – 1948
Gustav Dauster
1948 – 1949
Wilhelm Sottocassa
1949 – 1951
Heinrich Wolf
1951 – 1953
Hans Wenz
1954 – 1963
Heini Mahl
1963 – 1973
Jupp Feldmann
1973 – 1979
Rudi Damm
1979 – 1981
Norbert Weiß
1982 – 2019
Fred Stiglitz
2019 – 2025
Andreas Schäfer
2025 – lfd.
Frank Klee
1928 – 1935
Josef Hennemann
1935 – 1939
Heini Mahl
1947 – 1948
Gustav Dauster
1949 – 1953
Heini Mahl
1954 – 1956
Karl Pastorek
1957 – 1961
Günter Rüttiger
1962 – 1964
Hans Buths
1965
Hans Feucht
1966 – 1968
Heini Mahl
1969 – 1978
Jupp Hartlieb
1979 – 1989
Erich Schmitt
1990 – 2000
Rainer Niehoff
2001 – 2013
Klaus Bussau
2014 – 2017
Rainer Rüttiger
2018 – 2019
Klaus Bussau
2020
Frank Gerlach
2021 – 2022
(Sitzungen ausgefallen -Corona-)
2023 – 2025
Markus Friedrich
2025 – 2026
Marco Heß
2026 – lfd.
Frank Gerlach
1950 – 1960
Ernie Peterzelka
1993 – 2009
Elfriede Stieglitz
2009 – 2016
Annette Stieglitz
2016 – lfd.
Anja Schäfer

Unserer kleine Historie

Trotz unseres gestandenen Alters geben wir natürlich zu, dass die „UHR“, die Unterhaltungsriege der TGS, schon viel länger, ungefähr seit der Mitte des 19. Jahrhunderts, Gott Jocus huldigt, aber mit dem CVS gründete sich 1928 ein Verein, der sich ausschließlich der Fassenacht widmete. Aber auch hier war der CVS nicht der erste Verein dieser Art, denn schon 1874 trieb ein „Närrischer Club zu Schierstein“ die närrischen Geister in Form eines Fassenachtszuges durch Schiersteins Straßen, an den sich ein großer Maskenball im „Rheingauer Hof“ anschloss. Doch diese Spur verliert sich bis zum Jahre 1909, in dem ein „Narrhalla-Verein Schierstein“ von sich reden machte, der mit einem „Närrischen Fackelzug“ den Prinzen Carneval empfing, einen „Großen Jahrmarktsrummel“ im „Tivoli“ veranstaltete und der wiederum einen Fastnachtszug durch Schierstein rollen ließ.

Leider ist uns weder über die Lebensdauer dieser Vereine noch über die Namen jener frühen Narrhallesen etwas überliefert. Versuche, über Aufrufe im „Schiersteiner Leben“ vielleicht etwas Licht in dieses Dunkel zu bringen, sind bisher kläglich gescheitert. Aber es muss doch hie und da, vielleicht in alten Bildern oder Zeitungsausschnitten noch etwas über diese Aktivitäten erhalten sein. Deshalb noch einmal die Bitte an alle Schiersteiner, wenn Sie diesbezügliches Material besitzen, leihen Sie uns dieses bitte aus, und helfen Sie somit ein kleines Stück, wenn auch nur närrischer Vergangenheit, unseres Heimatortes zu dokumentieren und zu erhalten. Sollten Sie Angst haben, Ihre alten Originale zu verlieren, können wir Sie beruhigen, bei der heutigen Medientechnik garantieren wir für die Unversehrtheit dieser Unterlagen.

Aber zurück zur beweisbaren Vergangenheit! Die Geburtstunde des Vereins schlug in der Friseurstube von Josef Hennemann in der heutigen Reichsapfelstraße 10. Schote und Schaumschläger gab es damals schon genug und, da man sich ja gut genug kannte, gab man sich den passenden Namen „C. C. Lügebeutel“. Wenn die Gründer Robert Beuter, Josef Hennemann, Otto Kämmerer, Arnold Liebig, Heinrich Mahl, Hermann Mahl, Alfred Schnepf und August Schökel schon damals der Sitte der heutigen Zeit gefolgt wären und sich auf die Wurzeln 1874 berufen hätten, könnten wir nächstes Jahr unser 130. Bestehen feiern. Aber es waren grundehrliche Narren, die sich wohl im Hinblick auf die laufende Entmilitarisierung – als echte Narren eben – militärische Titel gaben. Vom Feldwebel bis zum General war alles vertreten, vielleicht färbte aber hier auch die Mitgliedschaft einiger Gründer im heute längst vergessenen „Marineverein Schierstein“ ab, Seemannsgarn spinnen konnten sie jedenfalls, das weiß der Chronist noch aus eigener Erfahrung.

Über den Neubeginn des CVS nach den schlimmen Jahren des Zweiten Weltkriegs zu schreiben, heißt Rückblick zu halten in eine Zeit, in der zunächst tiefe Hoffnungslosigkeit vorherrschte.

So gehörte denn auch eine gewisse Portion Optimismus dazu, am 12. Februar 1947 die erste Nachkriegsversammlung einzuberufen, in der die Weichen über die Zukunft des CVS gestellt wurden. Zwar prägte zunächst der Kampf ums Überleben den Alltag stärker als das Klingeln der Schellenkappe, aber schon ein Jahr später trat man – übrigens als erster Schiersteiner Verein – mit einem bunten Abend an die Öffentlichkeit.

Erst 1949, nach Stabilisierung der Verhältnisse, regten sich auch in Schierstein mit dem zaghaften Beginn des „Wirtschaftswunders“ wieder die närrischen Geister, die dann im selben Jahr bei der ersten Nachkriegssitzung in der Turnhalle ihre fröhliche Wiedergeburt feierten.

Zu den alten verbliebenen CVS-Aktiven stieß eine große Zahl neuer Jocusjünger, die den Verein für viele Jahre mit an die Spitze des närrischen Treibens der Weltkurstadt brachten. Der knapp bemessene Raum verbietet hier Namen zu nennen, aber ein Name, der schon zu den Gründungsmitgliedern zählte, sei doch dankbar erwähnt – Heini Mahl. Als unermüdlicher Schaffer, der dem Verein bis ins hohe Alter immer wieder neue Impulse gab, bestimmte er auch den Neuanfang wesentlich mit.

Neubeginn in schwerer Zeit, die Komitees des CVS in der Kampagne 1949/50

Doch schon zum 11. 11. 1949 siedelte man um in den relativ kleinen Saal der Gaststätte „Stadt Mainz“, die sich in der heutigen Reichsapfelstraße, Ecke Saarstraße befand. Hier hielt auch das erste Damenkomitee des CVS 1950 seinen umjubelten Einzug. Es folgte eine Zeit, geprägt durch den allgemeinen Aufschwung, der auch vor den Narren nicht halt machte. So schloss sich der heute unvorstellbar großen Rednerschar des CVS mit dem „Fidelen Kleeblatt“ ein weit bekanntes Schiersteiner Gesangsquartett an und sogar ein Fanfarenzug sorgte viele Jahre für den guten Ton innerhalb des CVS.

So fiel das 25-jährige Bestehen, das wiederum in der Turnhalle ausgerichtet wurde, in eine Zeit, in der in fast allen renommierten Bütten Wiesbadens die CVS-Aktiven Akzente setzten. Die Akteure vom Hafen sorgten auch für die Glanzlichter in vielen Sitzungen der Dacho, die damals noch ausschließlich von Wiesbadener Aktiven gestaltet wurden.

Auch die „Hafensitzung“, die Herrensitzung des CVS, die bis heute noch nichts von ihrem Flair eingebüßt hat, begann in jenen Jahren – 1958 – ihren närrischen Siegeszug.

Die Saalmisere in Schierstein bedingte, nachdem die „Stadt Mainz“ allmählich aus allen Nähten platzte, dass man in den nur unwesentlich größeren Saal des WVS wechselte, bevor man endgültig die Turnhalle der TGS zur bleibenden Narrhalla erwählte.

Das 100-jährige Bestehen des organisierten Wiesbadener Karnevals im Jahre 1959 bildete ein besonderes Jahr in den Annalen des Vereins. Der CVS war dank seines großen Förderers Hanns-Georg Schoof, als unvergesslicher Dacho-Jubiläums-Prinz, in vielfacher Form maßgeblich mit in die Feierlichkeiten eingebunden.

Nur noch mit Wehmut kann man heute auf diese blühende Wiesbadener Fassenacht zurückblicken.Kontinuität über Jahre hinweg ist ein Selbstverständnis für unseren Verein, und so feierten 1978 die Stifterappeler in voller Harmonie, unter Schirmherrschaft des damaligen Landtagspräsidenten Herrn Dr. Wagner, ihren 50. Geburtstag.

Unvergessen für alle die damals dabei waren, ist wohl die Jubiläumsfeier in den Räumen der Flusspionierkaserne. Ja, die „Flupis“! Sie waren dem CVS überaus freundschaftlich verbunden und ihre Gastfreundschaft wurde nicht nur von uns oft, dankbar und gerne in Anspruch genommen.

Ein Höhepunkt im Vereinsleben war seit diesem Jubiläum für viele Jahre die Fahrt am Wochenende nach Fastnacht in die Partnergemeinde des CVS, nach Weißbriach in Kärnten. Es war eine Partnerschaft, die sich auch in etlichen Gegenbesuchen der „Zwockel“ in Schierstein widerspiegelte. Wenn in dieser kurzgefassten Vereinsbeschreibung vom 50-ten bis zum kommenden 75-jährigen Jubiläum keine spektakulären Geschehnisse mehr verzeichnet sind, heißt dies nicht, dass der Verein in Tiefschlaf verfallen wäre. Nein, im Gegenteil, gerade dies dokumentiert den stabilen inneren Zustand des CVS. Natürlich gab es auch hier Hochs und Tiefs, alte Namen gingen, neue kamen hinzu, dies wurde verändert, jenes neu aufgenommen, wie die Neugründung unseres Damenkomitees im Jahre 1994 mit ihren spektakulären, immer ausverkauften Sitzungen. Aber all die Jahre galt nur eins: Unserem uralten Brauchtum trotz sich stets verändernder Umstände die Treue zu halten – und das dürfen wir in aller Bescheidenheit als gelungen ansehen!

Doch hinter all diesen Fakten und Zahlen über 75 Jahre stehen natürlich die Aktiven jeglicher Art, die erst durch ihre Mitarbeit den Verein mit Leben erfüllen. Aber bei allem Respekt vor ihrem Engagement und ihrer Leistung können hier keine Namen genannt werden, weil dies jeden Rahmen sprengen würde. Gewiss hat vieles, was heute unter dem Namen Fassenacht geboten wird, mit dem alten Brauchtum nichts mehr zu tun, aber es lohnt sich doch, das Übriggebliebene zu hegen und zu pflegen als ein Stückchen Heimat, das es zu bewahren gilt. Heimat? Ja, wir Fassenachter benutzen noch dieses Wort bewusst und voller Stolz, denn ohne Bindung an die uns prägende Landschaft ist unser Brauchtum leer und halbherzig, ja, undenkbar. Und übrigens, unserer Heimat brauchen wir uns – manchen multikulturellen Miesmachern zum Trotz – wahrlich nicht zu schämen!

Solchen Gedanken mussten unsere Gründer wahrlich nicht nachhängen, ihre Welt war noch in erster Linie auf den Heimatort fixiert, sie ruhte noch auf soliden gesellschaftlichen und familiären Fundamenten, was nicht heißen soll, dass sie keine wirtschaftliche Not kannten, ganz im Gegenteil. Doch wenn man bedenkt, dass damals noch im Hafen eine große Zahl von Fischern ihrem Handwerk nachgingen, überall die Netze zum Trocknen hingen und so den Hafen ein wahrhaft „maritimes“ Ambiente umgab, dass das „Klunkelbaden“ im Hafen gang und gäbe war, der Floßhafen noch seiner Bestimmung diente, dass das Federvieh am Morgen im „Gänsemarsch“ zum Hafen watschelte und die heutige Hafenpromenade bevölkerte, um am Abend wieder in geordneter Formation ihrem heimatlichen Hof zuzustreben usw., so kann man getrost, zwar nur oberflächlich gesehen, aus heutiger Sicht noch von heiler Welt sprechen.

Doch gehörte damals, kurz nach dem Ende der Inflation, in politisch unsicheren Zeiten, schon sehr viel Idealismus dazu, sich in einem doch eher kostenträchtigen Verein der Narretei hinzugeben, um sich und anderen Spaß und Freud zu bereiten. Um nun auf die Strukturen des Vereins jener Zeit zu kommen, der sich in den Anfangsjahren „Lügebeutel“ nannte, so war es damals trotz widriger Umstände etwas einfacher als heute, einer karnevalistischen Betätigung nachzugehen. Man konnte noch unbeschwert vom Erfolgsdruck heutiger Tage in der Bütt agieren und so gab es mehr als genug Aktive, die den Verein in der ersten Zeit kontinuierlich vorwärts brachten.

Vorsitzender, Vorstand und Elferrat waren wie heute die Basis und darüber hinaus war bei Dauerebbe in der Kasse Improvisation auf allen Ebenen gefragt.  Die Sitzungen unterschieden sich im Vergleich zu heute inhaltlich doch wesentlich. Die Vorträge waren kürzer, ca. 5–7 Minuten, es gab keine Gesangsgruppen, Balletts oder Unterhaltungskünstler, dafür aber Eröffnungsspiele und viele für das Publikum verfasste Saallieder, die örtliche Begebenheiten behandelten oder in bombastischer Form Vaterland und deutschem Rhein huldigten. Und – vor allem – es gab noch keinen Rundfunk und vor allen Dingen kein Fernsehen, so dass man ohne Vergleichsmaßstäbe dem dankbaren Publikum einiges „zumuten“ konnte, die Hauptsache, es machte allen Beteiligten Spaß.

Auch die Maskenbälle der verschiedenen Vereine von Fastnachtsamstag bis -dienstag in allen Sälen, von denen es in Schierstein einige gab, waren „rappelvoll“, man musste halt selbst etwas tun um sich zu unterhalten.

Dies alles änderte sich naturgemäß nach dem Krieg. Wenn auch die Grundstrukturen blieben, so brachte doch die neue Zeit mit ihren zahllosen Einflüssen von außen auch die Fassenacht ganz schön durcheinander. Aus einem Komitee wurden zwei (Herren und Damen), und im gleichen Maß wie die Showeffekte zunahmen, verringerte sich die Zahl der Büttenredner aus Spaß an der Freud. Neue Elemente wie Gesangsgruppen, Balletts, wie später auch das Herrenballett, Solisten, Künstler, Gardekapellen und vieles mehr verwässerten mit der Zeit die eigentlich anspruchslose, dem örtlichen Geschehen verpflichtete Saalfassenacht, die andererseits gewiss nicht mehr den Zuspruch hätte, wie sich dies heute mit insgesamt fünf ausverkauften Sitzungen dokumentiert.

So deckt der CVS mit Damen-, Herren- und Fremdensitzungen das gesamte närrische Spektrum ab, wobei Maskenbälle dem Trend der Zeit zum Opfer fielen, lediglich der Kindermaskenball dient noch als kleines Alibi. Die alljährliche Teilnahme am Wiesbadener Fassenachtssonntagszug gehört allerdings von Anfang an zur närrischen Pflicht des CVS. Dass auch die heutige umfangreiche Vereinsarbeit ebenfalls nur mit viel ehrenamtlichem Engagement geleistet werden kann, liegt auf der Hand.

So steht den schon genannten Gremien ein Arbeitsausschuss zur Seite, der sich vom Bühnen- bis Wagenbau nicht über Arbeitsmangel beklagen kann.

Seinen Dank für all die Aktivitäten stattet der Verein alljährlich seinen Aktiven im Rahmen einer Aktivenfeier ab, die mal in Form eines gemütlichen Beisammenseins, einer Bootsfahrt oder einer anspruchsvollen Weinprobe abläuft.

Auch die Öffnung in gesellschaftlicher Hinsicht gelang schon in den Siebziger Jahren durch die Gründung des CVS-Rittercorps, in dem sich klangvolle Namen aus Industrie, Handel und kommunale Repräsentanten wiederfinden. Aus ihm hervor gehen einige ausgewählte Personen als Doctor humoris causa oder die Träger der höchsten Auszeichnung, des Großkreuzes im CVS. In diesen Rahmen passt auch die 1978 abgeschlossene Partnerschaft mit der Dorfgemeinschaft Weissbriach in Kärnten, ein Urlaubsort, der auch im nächsten Jahr am Wochenende nach Fastnacht Reiseziel des CVS sein wird.

Wenn wir nun, da sich fünfundsiebzig Jahre Vereinsgeschichte vollenden, den Blick in die Zukunft richten, so geschieht das mit Hoffen und mit Bangen. Hoffen auf das Weiterleben unseres liebenswerten Brauchtums in einer sich immer schneller verändernden Zeit, und Bangen, ob dies in unwägbarer Zukunft trotz aller Anpassung überhaupt noch möglich ist. Doch sind wir optimistisch, dass auch nach den nächsten 25 Jahren, beim „Hundertsten“ die vierfarbbunten Fahnen die Fortführung unseres frohen Tuns verkünden – die Aktiven kommender Jahre jedenfalls können auf ihre Vorgänger und ihre Vereinsvergangenheit mit aufrechtem Stolz zurückblicken.

Der Verfasser von „Ein Dreiviertel Jahrhundert CVS“
Günter Rüttiger